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In dieser Rubrik
stellt das nahost-journal Vereine,
Organisationen und Institutionen vor, deren Aktivitäten einen Zusammenhang mit
der Nahost-Region haben
1-
Flüchtlingskinder im Libanon e.V.
2-
Das Evangelische Missionswerk in
Südwestdeutschland (EMS)
3-
Johanniter leisten Nothilfe in Palästina
4- Maichingen – Bethlehem Partnerschaftsarbeit als Friedensarbeit
- Die vergessenen Flüchtlinge Palästinas im Libanon
- Die palästinensischen Flüchtlinge im Libanon (von 1948 bis
heute)
- Wir über uns
- Unsere Partnerorganisation "Bait Atfal Assumoud"
- Projekte:
- Studienreise
- Rosa-Wainer-Stipendium
für palästinensische Schülerinnen
- Kontakt
- Links
Die vergessenen Flüchtlinge Palästinas im Libanon
Die Staatsgründung Israels im Mai
1948 und die daraus folgenden Kriege zwischen Israel und den angrenzenden
arabischen Staaten bedeuteten für Hunderttausende von Palästinensern Flucht und
Vertreibung in die arabischen Nachbarländer. 100 000 Menschen flohen damals in
den Libanon. Heute leben dort mehr als 370 000 palästinensische Flüchtlinge,
die Mehrheit von ihnen noch immer in Flüchtlingslagern [Karte]. Sie machen 10% der
libanesischen Bevölkerung aus.
Wachsende Armut und
katastrophale Bildungsmöglichkeiten, Perspektivlosigkeit und Ausgegrenztsein
prägen ihr 50jähriges Flüchtlingsschicksal mehr denn je. Bis heute leben sie
ohne Bürgerrechte und dürfen nur wenige Berufe außerhalb der Flüchtlingslager
ausüben.
Der 16jährige libanesische Bürgerkrieg
hat unvorstellbare Zerstörungen und tiefe physische und psychische Wunden
hinterlassen. Der wirtschaftlich schwache und politisch instabile Libanon kann
und will die palästinensischen Flüchtlinge auf absehbare Zeit nicht
integrieren. Die Autonomie-Abkommen zwischen Israel und der PLO erwähnen ihre
legitimen Rechte mit keinem Wort. Auch der Abzug der israelischen Armee aus dem
Südlibanon verbessert ihre Situation in keiner Weise.
Vergessen von der Welt und den
eigenen politischen Führern wachsen deshalb in den Flüchtlingslagern
Resignation und Verzweiflung und gefährden den ohnehin brüchigen Frieden in der
Region.
Hauptversorgungspfeiler der
Flüchtlinge ist die 1949 von den Vereinten Nationen gegründete UNRWA (United Nations
Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East). Ihre Mittel
und Maßnahmen sind völlig unzureichend. Ohne die Arbeit der unabhängigen
Nichtregierungsorganisationen würde der soziale Zusammenhalt in den Flüchtlingslagern
auseinanderbrechen. Zu diesen Organisationen gehört die libanesische
Hilfsorganisation Bait Atfal
Assumoud, die ihre Arbeit mit Hilfe von Spenden in- und ausländischer
Einzelpersonen, kirchlicher Einrichtungen und gemeinnütziger Institutionen aus
verschiedenen Ländern, u.a. vom Verein
Flüchtlingskinder im Libanon e.V. aus Deutschland finanziert.
Die palästinensischen Flüchtlinge im Libanon (von 1948 bis
heute)
Als Folge der
Staatsgründung Israels im Mai 1948 haben etwa 750000 Palästinenser ihre frühere
Heimat verloren. Sie flohen unter dem Eindruck der kriegerischen
Auseinandersetzungen (Bürgerkrieg in Palästina vor der Ausrufung des Staates
Israel, erster arabisch-israelischer Krieg nach der Staatsgründung) in die arabischen
Nachbarstaaten bzw. wurden dorthin vertrieben. 100000 palästinensische
Flüchtlinge kamen damals in den Libanon. Die Mehrzahl von ihnen war aus dem
Norden Palästinas, aus den Dörfern Galiläas, den Küstenstädten Haifa und Akka
sowie aus Nazareth, Safed und Tiberias. Um das Flüchtlingselend zu lindern
wurde 1949 von den Vereinten Nationen die UNRWA gegründet, die United Nations
Relief and Works Agency. Sie sollte die palästinensischen Flüchtlinge mit dem
Nötigsten versorgen bis sie in ihre Heimat zurückkehren würden.
Bis zum Ausbruch des
libanesischen Bürgerkrieges im Jahr 1975 gab es im Libanon 15 von der UNRWA versorgte
Flüchtlingslager. In den 60er Jahren pendelte sich der Anteil der in den Lagern
lebenden Flüchtlinge bei 40% ein. Heute leben insgesamt 360000 palästinensische
Flüchtlinge im Libanon, davon etwa 55% aufgrund des wirtschaftlichen und
sozialen Niedergangs der palästinensischen Gemeinschaft in Lagern. Die früheren
traditionellen Dorfgemeinschaften mit ihren Familien- und Clanhierarchien
blieben in den Lagern weitgehend erhalten. Von Anfang an unterschied sich die
soziale Struktur in den einzelnen Flüchtlingslager relativ stark voneinander.
Bis heute ist die Situation in den Lagern Beiruts besser als in den Lagern des
Südens und Nordens. In der Hauptstadt finden sich trotz aller Einschränkungen
die besten Beschäftigungsmöglichkeiten, die schwerpunktmäßig im
Dienstleistungsbereich liegen. Dagegen können vor allem die Bewohner der
südlichen Lager ihr Auskommen nur als Saisonarbeiter im landwirtschaftlichen
Bereich finden.
Der größte Teil der wohlhabenden
Palästinenser aus der Handels- und Finanzbourgoisie, aber auch einige
Feudalfamilien ließen sich nach ihrer Flucht in Beirut nieder. Der gesamte
östliche arabische Raum hatte sich über Jahrhunderte zu einem zusammenhängenden
Wirtschaftsgebiet entwickelt, was ein Fußfassen dieser palästinensischen
Flüchtlingsgruppen im arabischen Ausland erleichterte. Auch die etwa 30000
Personen umfassende Mittelklasse konnte sich schnell erfolgreich im Libanon
etablieren. Die Wohlhabendsten unter ihnen, vor allem die christlichen
Palästinenser, erhielten schon bald die libanesische Staatsangehörigkeit.
Ungleich schwerer hatten es die landlos gewordenen Bauern und städtischen
Armen, die in ihrer großen Mehrheit in den Flüchtlingslagern der UNRWA
Unterschlupf suchen mußten.
Ein auffallendes Merkmal der
palästinensischen Mittel- und Oberklasse war ihr ausgeprägtes
Bildungsbewußtsein. Hochqualifizierte Akademiker und Spezialisten rekrutierten
sich aus ihr. Sie fanden überall in der arabischen Welt, aber häufig auch im
westlichen Ausland gut bezahlte Arbeitsmöglichkeiten.
Die Abwanderung und Auswanderung
der Intelligenz wirkte sich auf die zurückbleibende Gemeinschaft natürlich auch
nachteilig aus. Aber auch in den Flüchtlingslagern wuchs in den 60er Jahren das
Bedürfnis nach Bildung. Nach dem Verlust von Besitz und Land durch die Nakba,
die Katastrophe, wie die Palästinenser ihre Vertreibung bezeichnen, wurde
Bildung zum größten Kapital für die Flüchtlinge. Sie ermöglichte es zum
Beispiel, in der arabischen Welt Verdienstmöglichkeiten zu finden. Auf diese
Weise konnten viele Flüchtlingsfamilien in den Lagern von der Unterstützung
ihrer im Ausland arbeitenden Angehörigen leben.
Die zunehmende Bedeutung von
Bildung schuf neben der traditionellen Führungsschicht, die herrührend aus der
Mandatszeit zunächst noch eine große Rolle spielte, eine neue einflußreiche
Elite von Akademikern, insbesondere Lehrern, die zunehmend die politische
Führung auch in den Lagern übernahm. Dies und die besondere Verbundenheit der
in den Lagern lebenden palästinensischen Flüchtlinge mit ihrer Heimat und deren
Traditionen war die Basis für den in den 60er Jahren entstehenden spezifisch
palästinensischen Nationalismus. Im Libanon selbst gründeten schon in den 50er
Jahren Studenten der Amerikanischen Universität in Beirut den Bund der
Arabischen Nationalisten (BdNA). Herausragende Personen dieser Bewegung, die
die Einheit der arabischen Staaten als Voraussetzung für die Befreiung
Palästinas betrachteten, waren George Habash (PFLP) und Najef Hawatmeh (DFLP).
In Kuwait wurde etwa zur selben Zeit die palästinensische nationale
Befreiungsbewegung Harakat at-tahrir al-watani al-filastini von Jasir Arafat
gegründet. Abgekürzt und von rückwärts gelesen ergibt die arabische Bezeichnung
den Namen Fatah. Im Gegensatz zum BdNA sah Fatah die Befreiung Palästinas als
ersten notwendigen Schritt auf dem Weg zur arabischen Einheit.
Bis in die 60er Jahre erhofften
sich die palästinensischen Flüchtlinge eine Lösung ihres Problems durch die arabischen
Staaten. Spätestens im 6-Tage-Krieg 1967 mußten sie dann aber deren politische
und militärische Unfähigkeit erkennen. Mit der Gründung der PLO und der
Übernahme ihres Vorsitzes durch Jasir Arafat im Jahr 1969 nahmen die
Palästinenser ihr Schicksal in die eigenen Hände.
Die Organisation sah zunächst
ausschließlich im bewaffneten Kampf das Mittel zur Befreiung Palästinas. Dieser
wurde zuerst von Jordanien aus und ab 1970/71 vom Libanon aus geführt. Beirut
wurde Hauptquartier der PLO. Da sich unter dem Dach der PLO nicht nur
militärische und politische Organisationen zusammenfanden, sondern auch
kulturelle und soziale Vereinigungen entstanden, erlebten die palästinensischen
Flüchtlinge im Libanon einen deutlichen sozialen Aufschwung. Etwa 60% der Flüchtlinge
arbeiteten als Milizionäre, Angestellte, Sozialarbeiter/Innen, Lehrer/Innen,
Ärzte/Innen und in anderen Berufen bei den verschiedenen Einrichtungen der PLO
und fanden damit ein Auskommen. Durch die großzügige finanzielle Unterstützung
vor allem aus den reichen Golfstaaten wurde die Organisation zu einem
entscheidenden politischen und militärischen Faktor im Libanon. Die
Palästinenser konnten sich bereits 1969 im Kairoer Abkommen von der damaligen
libanesischen Regierung das Recht erwirken, innerhalb der Flüchtlingslager
politisch und militärisch autonom zu sein und von libanesischem Boden aus ihren
Kampf gegen Israel zu führen. Besonders die in der libanesischen Politik und
Wirtschaft dominierenden Maroniten sahen darin zunehmend eine Gefahr für ihre
eigene Position. Sunnitische, drusische und allgemein links orientierte
libanesische Gruppierungen fanden dagegen bei der PLO Unterstützung für ihre
Ziele, die auf eine angemessene Machtbeteiligung und gerechtere soziale
Verhältnisse gerichtet waren. Neben den innenpolitischen Spannungen im Libanon
und den Einmischungsversuchen ausländischer Mächte (u.a. Israel, Syrien,
Frankreich, USA) war somit die Anwesenheit der palästinensischen Flüchtlinge
ein destabilisierender Faktor im Libanon und einer der Auslöser des
libanesischen Bürgerkrieges. Um die heutige restriktive Haltung der
libanesischen Politik gegenüber den Flüchtlingen zu verstehen, müssen diese
Zusammenhänge berücksichtigt werden.
Im Verlauf des Bürgerkrieges
sahen sich die Palästinenser nicht nur den Angriffen der christlichen Maroniten
und der israelischen Armee ausgesetzt, sondern auch Angriffen ihrer
muslimischen Glaubensbrüder. So wurden sie in der ersten Phase des
Bürgerkrieges von der syrischen Armee bekämpft, die den Einfluß der PLO im Libanon
übermächtig werden sah, und in der zweiten Hälfte der 80er Jahre wurden die
palästinensischen Flüchtlingslager von der schiitischen Amal-Miliz monatelang
belagert und beschossen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die PLO mit der Mehrzahl der
palästinensischen Kämpfer den Libanon bereits verlassen müssen. Die Invasion
der israelischen Armee in den Libanon im Jahr 1982, die mit der massiven
Bombardierung Beiruts endete, hatte zur Zerschlagung der politischen und
militärischen Struktur der PLO im Libanon geführt. Jasir Arafat und seine
Kämpfer mußten nach Tunesien ins Exil gehen.
Die Lage der zurückbleibenden
palästinensischen Flüchtlinge wurde mit und nach Kriegsende katastrophal. 30000
Palästinenser haben während des Bürgerkrieges den Tod gefunden, es gab 13000
Witwen und Tausende von Halb- und Vollwaisen. Von den ehemals 15
Flüchtlingslagern waren nach Kriegsende 3 Lager vollständig, die anderen
teilweise zerstört. 6000 Familien waren obdachlos. Dies entspricht einer Zahl
von 40–50000 Menschen, die zum Teil zusätzlich in die zerstörten Lager
drängten. In den verbleibenden 12 Lagern untersagt und behindert heute die
libanesische Regierung den Wiederaufbau. 4000 Familien müssen noch immer in
halbzerstörten Häusern leben. Das weitgehende Arbeitsverbot außerhalb der
Flüchtlingslager zwingt auch früher „draußen“ lebende Palästinenser aus
Existenznöten zurück in die Lager. Dies führt zu extremer Raumnot und
zusätzlichen sozialen Spannungen unter den Flüchtlingen. Die Trink- und
Abwassersysteme sind defekt und gesundheitsgefährdend.
Die sozialen Einrichtungen der
PLO waren nach Kriegsende größtenteils zerstört, die
Beschäftigungsmöglichkeiten geschwunden, die finanzielle Unterstützung
schrumpfte. Die politischen und konfessionellen Gruppierungen des Libanon
einigten sich 1989 im Friedens-Abkommen von Taif darauf, die Palästinenser als
die in ihren Augen Hauptverantwortlichen für den Ausbruch des Bürgerkrieges aus
dem politischen, sozialen und wirtschaftlichen Leben des Landes auszuschließen.
Da Syrien nach dem Krieg die politische und militärische Kontrolle im Libanon
übernahm, konnten darüberhinaus Hunderttausende von syrischen Arbeitssuchenden
ins Land strömen. Sie arbeiten zu Niedrigstlöhnen in der Baubranche, in der
Landwirtschaft und als fliegende Händler. Damit gingen den Palästinensern ihre
wichtigsten Arbeitsbereiche verloren. Einen weiteren gravierenden
wirtschaftlichen Einbruch erlitten die palästinensischen Flüchtlinge während
des ersten Golfkrieges. Die PLO hatte sich auf die Seite Saddam Husseins
gestellt. Die Golfstaaten revanchierten sich daraufhin mit dem Hinauswurf
Hunderttausender palästinensischer Arbeiter, Techniker und Akademiker, die bis
dahin ihre Angehörigen in den Flüchtlingslagern unterstützt hatten und mit der
Einstellung der Zahlungen an die PLO. Die wirtschaftliche Situation
verschlechterte sich dramatisch. Heute dürfen die palästinensischen Flüchtlinge
außerhalb der Flüchtlingslager in mehr als 70 Berufen grundsätzlich nicht
arbeiten. Dazu zählen akademische Berufe ebenso wie handwerkliche Berufe oder
auch Sekretär/In oder Taxifahrer. Für alle übrigen Berufe brauchen sie eine
Arbeitserlaubnis vom libanesischen Staat. Jährlich werden ca. 100
Arbeitserlaubnisse erteilt.
Bedingt durch die soziale,
wirtschaftliche und politische Benachteiligung der palästinensischen
Flüchtlinge im Libanon ist deren Überleben vollkommen von Hilfe von außen
abhängig. Hauptversorgungspfeiler ist die seit nunmehr 50 Jahren bestehende
United Nations Relief and Works Agency (UNRWA). Neben der materiellen
Unterstützung der Hardship-Cases (Familien, die über keinerlei Einkommen
verfügen) ist sie für die schulische und medizinische Versorgung und für die
Infrastruktur in den Lagern zuständig. Die pro Kopf der Flüchtlinge vorhandenen
Gelder gehen ständig zurück, während die Bedürftigkeit gleichzeitig wächst.
37000 Menschen, das sind 10,2% der registrierten Flüchtlinge, gehören zu den
Hardship-Cases. Dies ist bei weitem die höchste Zahl verglichen mit allen
anderen arabischen Regionen.
Für die 40000 palästinensischen
Schüler steht nur eine Berufsschule der UNRWA zur Verfügung. Staatliche
libanesische oder private Berufsschulen und Universitäten sind ihnen aus
politischen oder finanziellen Gründen verschlossen. Vor allem im
Grundschulbereich sind die Klassen hoffnungslos überfüllt.
Schülerzahlen von 40 bis 50 je
Klasse sind keine Seltenheit. Es fehlt an Platz, genügender Ausstattung, an
Labors und Büchereien. Die Hälfte der Schulen arbeitet schichtweise, was mit
geringerer Stundenzahl verbunden ist. Die UNRWA bietet keinerlei Vorschulerziehung
an. Kindergärten werden ausschließlich von den verschiedenen
Nichtregierungsorganisationen getragen.
Auch im medizinischen Bereich
kann die UNRWA keine ausreichende Versorgung gewährleisten. Die Zahl der von
UNRWA in libanesischen Kliniken angemieteten Betten ist vollkommen unzureichend
(ein Bett für ca. 5000 Personen). Bei Krankenhausaufenthalten werden nur die
Bettenkosten übernommen, Untersuchungs- und Behandlungskosten muß der Patient
selbst übernehmen. Patienten über 60 Jahren erhalten überhauptkeine
Unterstützung. Auch die Zahl und Ausbildung der Ärzte in den medizinischen
UNRWA-Zentren reicht nicht. Ein Arzt muß ca. 80 Patienten am Tag behandeln.
Neben der UNRWA versorgt auch der Palästinensische Rote Halbmond die
Flüchtlinge medizinisch. Er ist die letzte der früher von der PLO bezahlten
Einrichtungen für die Flüchtlinge. Sie wird vom Internationalen Roten Kreuz
mitgetragen. Dennoch sind Ausstattung und Qualität der Behandlung ungenügend.
Die Zahl der Beschäftigten betrug 1992 noch über Tausend und mußte bereits bis
zum Jahr 1996 auf 350 Mitarbeiter reduziert werden. 25% der Behandlungskosten
müssen auch beim Halbmond von den Patienten übernommen werden, während die
Behandlung früher kostenfrei war.
Neben der UNRWA und dem
Palästinensischen Roten Halbmond versuchen eine Reihe von
Nichtregierungsorganisationen die Not in den Lagern zu lindern. 17 unabhängige
palästinensische Basisorganisationen, die in den Bereichen soziale Betreuung,
Kindergärten, Gesundheitsversorgung, Frauenarbeit und Berufsbildung tätig sind,
haben sich 1994 zu einem Koordinationsforum zusammengeschlossen. Ohne die
Arbeit dieser Organisationen wäre der soziale Zusammenhalt in den
Flüchtlingslagern lange bedroht. Da sie selbst ein Teil der palästinensischen
Gemeinschaft sind, können sie den Bedürfnissen, Rechten und Hoffnungen dieser
Menschen am besten gerecht werden. Da weder die UNRWA für die palästinensischen
Flüchtlinge sprechen kann und will und auch die früheren politischen Parteien,
allen voran die Fatah, bei den Flüchtlingen in Miskredit gefallen sind,
versteht sich das Koordinationsforum auch als notwendiges Sprachrohr
gegenüber der libanesischen Regierung.
Die Zukunftsperspektive für die
palästinensischen Flüchtlinge ist vor allem nach den Autonomie-Abkommen zwischen
Israel und der PLO deprimierend, da bis jetzt die 48er-Flüchtlinge auch für die
zukünftigen Verhandlungen nicht vorgesehen sind. So fühlen sie sich von Arafat
verraten, von der libanesischen Politik und Gesellschaft an den Rand gedrängt
und von der Welt vergessen. Resignation und Verzweiflung, aber auch Wut und
Gewalt nehmen in den Lagern zu und gefährden den ohnehin stagnierenden
Friedensprozeß. Umso wichtiges ist es, von hier aus dazu beizutragen, die in
den Flüchtlingslagern bestehenden sozialen Netze zu erhalten und zu stärken und
gleichzeitig auf politischer Ebene das Bewußtsein für dieses Konfiktfeld des
Nahen Ostens zu schärfen.
Die Zukunftsperspektive für die
palästinensischen Flüchtlinge ist vor allem seit den Autonomie-Abkommen
zwischen Israel und der PLO deprimierend, da bis jetzt die 48er-Flüchtlinge
auch für die zukünftigen Verhandlungen nicht vorgesehen sind. Israel lehnt die
Anerkennung des Rechts auf Rückkehr grundsätzlich ab. So fühlen sich die
palästinensischen Flüchtlinge im Libanon von Arafat verraten, von der
libanesischen Politik und Gesellschaft an den Rand gedrängt und von der Welt
vergessen. Resignation und Verzweiflung, aber auch Wut und Gewalt nehmen in den
Lagern zu und gefährden den ohnehin stagnierenden Friedensprozeß.
Seit Sommer 2000 hat sich die
Lage in den palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon aus außen- und
innenpolitischen Gründen weiter zugespitzt. Zunächst hat das Scheitern des
Camp-David-Gipfels neue Hoffnungen geweckt, da das lange Zeit vernachlässigte
Recht auf Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge plötzlich auf der
Tagesordnung stand. Gleichzeitig hat der Abzug der israelischen Armee aus dem
Südlibanon den palästinensischen Kindern und Jugendlichen nach einem knappen
Viertel Jahrhundert Besatzungszeit den ersten Blick auf das Heimatland ihrer
Eltern und Großeltern ermöglicht. Das Recht auf Rückkehr hat damit eine neue
erfahrbare Dimension bekommen. Da kurz nach dem Rückzug der Israelis auch
Begegnungen am libanesisch-israelischen Grenzzaun zwischen Palästinensern
diesseits und jenseits der Grenze stattfinden konnten, hat sich auch die
Verbundenheit untereinander vertieft, die während des
israelisch-palästinensischen Friedensprozeß gelitten hatte. Der Aufstand in den
Autonomiegebieten seit Oktober 2000, die unverhältnismäßige Reaktion Israels
und die Haltung der Vereinigten Staaten und Europas auf die Entwicklung haben
dann aber alle Hoffnungen erneut zerstört und Frustrationen wachsen lassen. Der
Terroranschlag des 11. September und besonders seine Folgen tragen zu einer
weiteren Radikalisierung in den Flüchtlingslagern bei.
Innenpolitisch hat ein im
Frühjahr 2001 verabschiedetes libanesisches Gesetz die soziale und
wirtschaftliche Situation der Flüchtlinge weiter verschlechtert und sie
zusätzlichem Vertreibungsdruck ausgesetzt. Auf der Basis eines Gesetzes, das im
Frühjahr vom Parlament verabschiedet wurde, wird ihnen das Recht auf
Immobilienbesitz entzogen. Außerdem können diejenigen von ihnen, die schon im
Besitz von Immobilien sind, diese nicht an ihre Erben weitergeben. Damit wird
den Palästinensern ihre letzte Existenzgrundlage entzogen. Das libanesische
Parlament hat dieses Gesetz unter dem Vorwand verabschiedet, man wolle das
Recht der Palästinenser auf Rückkehr in ihre Heimat schützen. Tatsächlich
fürchtet die libanesische Regierung die internationalen Bestrebungen, die
palästinensischen Flüchtlinge im Rahmen einer Lösung des Nahost-Konflikts in
den arabischen Ländern anzusiedeln. Der Libanon sieht sein nach dem Bürgerkrieg
mühsam ausgehandeltes politisches Gleichgewicht zwischen den verschiedenen
Religionsgruppen durch die Aufnahme von 370.000 überwiegend sunnitischen
Palästinensern (mehr als 10% der Bevölkerung) aufs Äußerste gefährdet.
Berechtigte politische Forderungen werden so aber auf dem Rücken der
Schwächsten durchgesetzt. Die Diskriminierung und totale Ausgrenzung der
palästinensischen Flüchtlinge aus der libanesischen Gesellschaft widerspricht
internationalem Recht.
Vor dem geschilderten
Hintergrund ist es umso wichtiger, von hier aus dazu beizutragen, die in den
Flüchtlingslagern bestehenden sozialen Netze zu erhalten und zu stärken und
gleichzeitig auf politischer Ebene das Bewußtsein für dieses Konfiktfeld des
Nahen Ostens zu schärfen.
(c) Januar 2002 Ingrid Rumpf,
"Flüchtlingskinder im Libanon e.V."
QUELLEN:
Baumgarten, Helga: "Palästina: Befreiung in den Staat", Edition
Suhrkamp, 1991.
Neuhaus, Dietrich u. Christian Sterzing: "Die PLO und der Staat
Palästina", DIAK, 1991.
Shehada, Dr. Hazem: "Die PLO und der Friedensprozeß: Von der Entstehung
der PLO bis zu den Autonomie-Abkommen mit Israel", IfSF e.V., Trier, 1996.
Diverse UNRWA-Veröffentlichungen aus dem
Jahre 1998
Wir über uns
Der Verein Flüchtlingskinder im
Libanon e.V. ist ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung palästinensischer
Flüchtlingsfamilien im Libanon. Er besteht seit 1995. Auf Studienreisen in den
Libanon hatten Mitglieder die Situation der palästinensischen Flüchtlinge und
die Arbeit der libanesisch-palästinensischen Hilfsorganisation Bait Atfal Assumoud kennen
und schätzen gelernt. Schirmfrau des Vereins ist die israelische
Menschenrechtsanwältin Felicia Langer, die sich seit Jahrzehnten für die Rechte
der Palästinenser in Israel und in den besetzten Gebieten einsetzt. Für ihre
engagierte Arbeit wurde sie 1990 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.
Der Verein Flüchtlingskinder im
Libanon unterstützt in Zusammenarbeit mit Bait Atfal Assumoud soziale Projekte
in den palästinesischen Flüchtlingslagern, die vor allem Kindern und
Jugendlichen zugutekommen. Neben der Linderung größter Not stärkt dies den
sozialen Zusammenhalt in den Lagern und ist damit ein Beitrag zum Frieden im
Nahen Osten:
Sommercamps für Kinder und
Jugendliche aus den Flüchtlingslagern [Details...]
Fortbildungsseminare für die
Kindergärtner/Innen und Sozialarbeiter/Innen von Bait Atfal Assumoud [Details...]
Finanzierung des Gehalts von
palästinensischen Kindergärtnerinnen / Sozialarbeiterinnen von Bait Atfal
Assumoud [Details...]
Ausstattung von Kindergärten,
Berufsbildungseinrichtungen und zahnmedizinischen Ambulatorien [Details...]
Stickerei-Projekt für
palästinensische Flüchtlingsfrauen [Details...]
Workcamps von jungen deutschen
Erwachsenen für palästinensische Kinder im Libanon [Details...]
Patenschaften für besonders
bedürftige Kinder [Details...]
Rosa-Wainer-Stipendium:
Ausbildung junger Mädchen [Details...]
Neben der Projektunterstützung
im Libanon informiert der Verein durch intensive Öffentlichkeitsarbeit in der
Bundesrepublik über die Situation der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon
und die Hintergründe des Nahostkonfliktes.
Der Verein ist als gemeinnützig
anerkannt. Spenden und Mitgliedsbeiträge sind
steuerbegünstigt.
Unsere Partnerorganisation "Bait Atfal Assumoud"
The National Institution of Social Care and Vocational
Training
"Bait Atfal Assumoud"
(Haus der Kinder der Standhaftigkeit) wurde 1976 in den Anfängen des libanesischen
Bürgerkrieges als Heim für Waisenkinder gegründet. Seit 1982 wird die ganze
Familie in die soziale Betreuung einbezogen. Die libanesisch-palästinensische
Hilfsorganisation leistet unter hohem persönlichen Einsatz ihrer
Mitarbeiter/lnnen eine hervorragende Sozialarbeit, deren Zielgruppe vor allem
Kinder und Jugendliche in den Lagern sind. Gegen Hoffnungslosigkeit, drohende
Verwahrlosung und Aggressivität versucht die Organisation durch vielfältige
Aktivitäten, das Selbstwertgefühl und die Eigenverantwortung der Flüchtlinge zu
stärken.
Heute betreut die Organisation
1300 Kinder und Jugendliche in vielen hundert Familien. Sie unterhält 10
Sozialzentren und eine psychologische Beratungsstelle in den Flüchtlingslagern
von Beirut, Saida, Sour, Tripoli und in der Bekaa-Ebene. Bis zu 600 Kinder
besuchen die 8 Kindergärten der Organisation. Es gibt künstlerische,
kulturelle, sportliche und Bildungsangebote, Feriencamps und Büchereien. Junge
Mädchen und Frauen nehmen an Alphabetisierungskursen teil. Sie werden in Nähen
und Kunsthandwerk und männliche Jugendliche in handwerklichen Berufen
ausgebildet.
"Bait Atfal Assumoud"
finanziert seine Arbeit ausschließlich mit Hilfe von Spenden in- und
ausländischer Einzelpersonen, kirchlicher Einrichtungen und gemeinnütziger
Institutionen. Weder die PLO oder andere palästinensische Parteien noch
arabische Regierungen unterstützen die Organisation. Politische Bevormundung
ist dadurch ausgeschlossen.
Khawla Khalaf, die
von unserem Verein finanzierte Sozialarbeiterin von "Bait Atfal
Assumoud".
Projekte:
Der Verein Flüchtlingskinder
im Libanon unterstützt in Zusammenarbeit mit Bait Atfal Assumoud soziale
Projekte in den palästinesischen Flüchtlingslagern, die vor allem Kindern und
Jugendlichen zugutekommen. Neben der Linderung größter Not stärkt dies den
sozialen Zusammenhalt in den Lagern und ist damit ein Beitrag zum Frieden im
Nahen Osten:
Sommercamps für Kinder und
Jugendliche aus den Flüchtlingslagern [Details...]
Fortbildungsseminare für die
Kindergärtner/Innen und Sozialarbeiter/Innen von Bait Atfal Assumoud [Details...]
Finanzierung des Gehalts von
palästinensischen Kindergärtnerinnen / Sozialarbeiterinnen von Bait Atfal
Assumoud [Details...]
Ausstattung von Kindergärten,
Berufsbildungseinrichtungen und zahnmedizinischen Ambulatorien [Details...]
Stickerei-Projekt für
palästinensische Flüchtlingsfrauen [Details...]
Workcamps von jungen deutschen
Erwachsenen für palästinensische Kinder im Libanon [Details...]
Patenschaften für besonders
bedürftige Kinder [Details...]
Rosa-Wainer-Stipendium:
Ausbildung junger Mädchen [Details...]
Studienreise
in den Libanon und nach Syrien
vom 1.11. bis 9.11.2003
Der Verein
"Flüchtlingskinder im Libanon" bietet in diesem Jahr zum 3. Mal allen
Paten, Mitgliedern, Förderern sowie Interessierten eine Studienreise in den
Libanon und nach Syrien an (Herbstferien in Baden-Württemberg).
Zielsetzung:
Diese Reise soll die bestehenden
Kontakte zu unserer Partnerorganisation Bait Atfal Assumoud pflegen
und vertiefen. Die ReiseteilnehmerInnen werden vor Ort über die Lebens- und
Alltagssituation der Palästinenser in den Lagern informiert werden. Durch den
Besuch von verschiedenen Zentren kann ein aktuelles Bild über die Projekte und
die Arbeit von Bait Atfal Assumoud gewonnen werden.
Die Mitglieder des Vereins, die Patenkinder unterstützen, sollen auf alle Fälle
die Gelegenheit bekommen diese und ihre Familien zu besuchen und kennen zu
lernen.
Neben den themenorientierten
Besuchen und Gesprächen soll auch der Reiz und die Schönheit des Landes nicht
zu kurz kommen. Es werden mehrere Ausflüge zu kulturhistorischen Stätten und zu
eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten auf dem Programm stehen.
Ein Höhepunkt der Reise wird die
Besichtigung der syrischen Hauptstadt Damaskus - der Perle des Orients -
und des aramäischen Wallfahrtsortes Maalula sein. Im Libanon werden wir
die weltberühmte römische Tempelanlage in Baalbek, das Qadischa-Tal,
die Hafenstädte Tripoli und Byblos, die Hauptstadt Beirut,
die Stadt Saida und den Südlibanon besuchen.
Ein ausführliches Reiseprogramm
kann angefordert werden bei Maria Zöllner, Email: mzoellner@lib-hilfe.de.
Die Reise findet in Zusammenarbeit
mit der Begegnungsstätte "Dar Assalam" in Wardaniyeh statt.
Teilnehmerzahl: 15 bis
20 Personen
Preis: ca. 1300 Euro
Leistungen: Im Reisepreis enthalten sind Flug, Übernachtung,
Halbpension, Eintrittsgelder, Bustransfer im Libanon und in Syrien, Visa.
Rosa-Wainer-Stipendium
für palästinensische Schülerinnen
Dank der Schirmfrau unseres
Vereins, der israelischen Rechtsanwältin Felicia
Langer, haben wir im Jahr 1999 aus der Erbschaft einer in Berlin
verstorbenen Jüdin eine Spende in Höhe von 35 000 DM erhalten. Wir haben
beschlossen, das Geld längerfristig anzulegen und aus den Zinsen
Ausbildungs-Stipendien für palästinensische junge Mädchen zu finanzieren. Den
40000 palästinensischen Schüler/Innen im Libanon steht nur ein
Berufsausbildungszentrum der UNRWA
(United Nations Relief and Works Agency) mit ca. 600 Ausbildungsplätzen vor
allem für männliche Schulabgänger gegenüber. Da staatliche Berufsschulen kaum
Palästinenser aufnehmen und private für die Flüchtlinge unbezahlbar sind,
bleiben vor allem Mädchen meist ohne Berufsausbildung. Durch je 1000 DM Zuschuß
aus dem Rosa-Wainer-Stipendium sollen jedes Jahr zwei palästinensische Mädchen
eine Ausbildung erhalten. Seit Beginn des Ausbildungs-Schuljahres 1999/2000
ermöglichen wir Muna Al-Kabbûli,
einem vaterlosen Mädchen mit 8 Geschwistern aus Nameh, einem südlich von Beirut
gelegenen Ort, eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Seit den Schuljahren
2000/2001 und 2001/2002 erhält die 20jährige Shadia Shukair eine Ausbildung zur
Krankenschwester. Shadia lebt im Flüchtlingslager Nahr el-Bared bei Tripoli im
Nordlibanon. Ihr Vater ist seit 1982, während des Bürgerkrieges, verschollen.
Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in einem Zimmer bei den
Großeltern.
Ein wichtiger Aspekt dieses
Stipendiums ist für uns, palästinensische Flüchtlingskinder positive
Erfahrungen mit jüdischen Menschen erleben zu lassen. Ihre vollständige
Isolation im Libanon läßt solche Erfahrungen nicht zu. Von Geburt an erleben
sie Juden/Israelis vielmehr ausschließlich als Todfeinde. Für einen zukünftigen
tragfähigen Frieden zwischen Palästinensern und Israelis sind gegenseitige
positive Erfahrungen aber eine Gundvoraussetzung.
Die Jüdin Rosa Wainer wurde 1922
in Dresden geboren. 1938 kam sie während des deutschen Nationalsozialismus
16jährig mit einem Kindertransport nach England. Dort arbeitete sie zunächst
als Hausmädchen und später in einem Büro der englischen Armee. Ihre beiden
Eltern wurden im Konzentrationslager Theresienstadt von den Nazis ermordet.
Nach Kriegsende kam sie nach Deutschland zurück und zog nach Berlin, wo sie als
Sozialarbeiterin tätig war. Sie war Zeit ihres Lebens politisch aktiv, sozial
und links engagiert. Sie hat sich besonders für die Erhaltung der Menschrechte
in Israel/Palästina eingesetzt. Das Schicksal der Kinder war ihr immer ein
Anliegen. Regelmäßig hat sie eine Flüchtlingsfamilie in Palästina unterstützt.
Am 23.10.1997 ist Rosa Wainer in Berlin verstorben. Rosa Wainer hat in ihrem
Testament bestimmt, daß ihr Vermögen palästinensischen Kindern in der Westbank
und im Gaza-Streifen zugute kommt. Sie hat die Schirmfrau unseres Vereins, die
israelische Rechtsanwältin Felicia Langer, testamentarisch damit beauftragt,
ihr Erbe an geeignete Organisationen weiterzuleiten. Rosa Wainer hatte Felicia
Langer einige Jahre früher auf einer Veranstaltung in Berlin gehört und
daraufhin auch ihre Bücher gelesen. Sie war von der engagierten Arbeit Felicia
Langers tief beeindruckt. Beide haben sich aber nie persönlich kennengelernt.
Als Testamentsvollstreckerin und Schirmfrau unseres Vereins hat sich Felicia
Langer dafür eingesetzt, daß ein Teil der Erbschaft an unseren Verein
Flüchtlingskinder im Libanon e.V. geht. 35 000 DM sind dem Verein so aus der
Hinterlassenschaft Rosa Wainers zugeflossen.
Kontakt
Anschrift:
Flüchtlingskinder im Libanon
e.V.
Birnenweg 2
72793 Pfullingen
Spendenkonto:
Flüchtlingskinder im Libanon
e.V.
Konto-Nr. 6 33 70 07
Volksbank Reutlingen (BLZ 640 901 00)
Ansprechpartner/innen:
Ingrid Rumpf (1. Vorsitzende)
Tel. 07121 / 7 85 56
Fax 07121 / 49 01 13
E-Mail irumpf@lib-hilfe.de
Hans Ulrich Dapp (2.
Vorsitzender, Patenschaften)
Tel. 07071 / 3 43 14
E-Mail hudapp@lib-hilfe.de
Maria Zöllner-Hespeler
(Erweiteter Vorstand, Kassiererin)
Tel. 07121 / 90 70 05
Fax 07121 / 90 70 05
E-Mail mzoellner@lib-hilfe.de
Ulrike Berkholz (Erweiterter
Vorstand, Fortbildungsseminare)
Tel. 07084 / 78 09
Fax 07084 / 78 09
E-Mail uberkholz@lib-hilfe.de
Nezam Aljaru (Erweiterter
Vorstand, Organisation Workcamp)
Tel. 07121 / 33 47 41
E-Mail naljaru@lib-hilfe.de
Isolde Albrecht (Vertrieb
Stickereien)
Tel. 07157 / 52 05 86
E-Mail ialbrecht@lib-hilfe.de
Links
Eine Seite über Felicia
Langer
Eine weitere Seite über Felicia Langer
Die UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine
Refugees in the Near East)
Über das Flüchtlingslager Bourj ish-Shimâli im
Südlibanon
Moin
Rabbani - Das Recht auf Rückkehr
Eine Seite eines Mitgliedes über
ein von uns vermitteltes Patenkind
Eine Geschichte
eines palästinensischen Flüchtlings im Libanon
Alternative information center Jerusalem
Taayush - Für ein
Zusammenleben von Juden und Palästinensern
Unispal - UN Information System on the Question of Palestine
Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V.
Freunde Palästinas in
Sachsen-Anhalt
Solidaires du peuple palestinien
Palestinian Center for Rapprochement between
people
Inhalt:
1 Geschichte des EMS
3 EMS-Geschäftsstelle: Stellenangebot:
Mitarbeiterin für die Theodor-Schneller-Schule in Amman/Jordanien
4 Israel/Palästina: Christen in Jerusalem
brauchen Hilfe
6 Nahost: EMS schließt sich Hilferuf aus
Jerusalem an
Dringender Appell
Von +Rt. Rev. Riah Abu El-Assal, Anglikanischer Bischof in Jerusalem
7 Brief des Lateinischen Patriarchen Michel Sabbah zur aktuellen Situation vom 2. Oktober 2000
8 Stellungnahme der
Patriarchen und Leiter der Christlichen Gemeinschaften in Jerusalem vom 30. September 2000
9 Stellungnahme
des Bureau de Coordination Des Pères Blancs Pour Justice et Paix vom 2. Oktober 2000
10 EMS-Publikationen
11 Das Syrische Waisenhaus in Jerusalem –
12 Die St. Georgs Kathedrale in
Ost-Jerusalem
13 Riah Abu El Assal,
Bischof der anglikanischen Kirche in Jerusalem, im EMS Ich habe einen Traum
… ist ein Zusammenschluss von sechs
evangelischen Kirchen und vier Missionsgesellschaften in Südwestdeutschland in
Partnerschaft mit 17 Kirchen in Afrika und Asien.
Ziele und Aufgaben des EMS
Dieses Netzwerk ist ein Modell
ökumenischer Gemeinschaft und Zusammenarbeit zwischen Christen und Christinnen
in Europa, Afrika und Asien. Über nationale, kulturelle und konfessionelle
Grenzen hinweg verbindet uns das Ziel, voneinander zu lernen und miteinander zu
teilen, was es heißt, einladend und glaubwürdig das Evangelium von Jesus
Christus zu leben und weiterzugeben. Im Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden,
für Menschenrechte und die Bewahrung der Schöpfung suchen wir die
Zusammenarbeit mit allen Menschen, die diese Ziele teilen.
Seit der Gründung im Jahr 1972 hat
sich das EMS zu einem ökumenischen Forum weiterentwickelt, in dem die
afrikanischen und asiatischen Partnerkirchen in allen Beratungen, Planungen und
Entscheidungen gleichberechtigt mitbestimmen. Im internationalen
EMS-Missionsrat sind alle beteiligten Kirchen und Gesellschaften mit Sitz und
Stimme vertreten.
Die EMS-Geschäftsstelle in Stuttgart,
Vogelsangstraße 62, ist das gemeinsame Instrument zur Koordinierung,
Initiierung und Begleitung von gemeinsamen Programmen und Aufgaben.
Zu diesen Kernaufgaben gehören:
· die Koordination, Begleitung und Beratung von Direktpartnerschaften
· der Austausch und die Vermittlung von ökumenischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen
in Langzeiteinsätzen (i.d.R. Fünfjahresverträge)
· Kurzeinsätze (sechs bis zwölf Monate) im EMS-Freiwilligenprogramm
· internationale Konsultationen und ökumenische Team Visits
· Informationen und Publikationen über Partnerkirchen und die betreffenden
Länder und Regionen
· Seminare und Tagungen zu Themen ökumenisch-missionarischen Lernens
· Mitarbeit bei Aktionen und Kampagnen zu Fragen von Gerechtigkeit und
Menschenrechten (z.B. Erlassjahr 2000-Kampagne)
· finanzielle Unterstützung von Projekten und Programmen in Partnerkirchen
(z.B. in den Bereichen Gesundheit, Schule, Berufsausbildung, theologische
Ausbildung, Frauenarbeit, Menschenrechte)
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der EMS-Geschäftsstelle arbeiten eng zusammen mit den Gemeindediensten für
Mission, Ökumene und Entwicklung in den Mitgliedskirchen und -gesellschaften,
mit dem EMW als Dachverband und den anderen regionalen Missionswerken, mit den
Entwicklungswerken (Brot für die Welt, EED), mit der EKD sowie mit Aktionsgruppen
und Netzwerken im Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit, Menschenrechte und die
Bewahrung der Schöpfung.
Das EMS, eines von neun regionalen
kirchlichen Missionswerken in der Bundesrepublik Deutschland, wurde 1972 als
Gemeinschaftswerk gegründet, um die kirchengeschichtlich begründete Trennung
von Mission und Kirche zu überwinden. Die Missionsarbeit wurde im 18. und 19.
Jahrhundert und noch weit in das 20. Jahrhundert hinein von Gesellschaften und
Vereinen getragen. In Übersee waren daraus längst selbständige Kirchen
erwachsen, die nun Beziehungen zu einem kirchlichen Gegenüber wünschten.
Deshalb wurde der Internationale Missionsrat 1961 auf einer gemeinsamen
Konferenz in Neu Delhi in den Ökumenischen Rat der Kirchen integriert. Hervorgegangen
aus der "Südwestdeutschen Arbeitsgemeinschaft für Weltmission"
schlossen sich 1972 die zehn EMS-Mitgliedskirchen und -gesellschaften in einem
eingetragenen Verein zusammen, um mit diesem Gemeinschaftswerk weltweite
Partnerbeziehungen zu gestalten und im südwestdeutschen Horizont
ökumenisch-missionarische Impulse zu geben.
Zunächst wurden die Beziehungen
weiterhin bilateral gepflegt. Doch wurde mit der Gründung des
Gemeinschaftswerks ein neuer Lernprozess eingeleitet: die Kooperation untereinander
zu erproben und zu vertiefen. Heute versteht sich das EMS als Forum für gelebte
Ökumene, das schon eine kleine eigene Geschichte des Zusammenwachsens aufweist.
1983 kamen erstmals alle Partner und Mitglieder zu einer gemeinsamen
Konsultation in Bad Boll zusammen. Ein weiterer Meilenstein der Entwicklung zu
einem Gemeinschaftswerk von Mitgliedern und Partnern war das "Forum in
Jerusalem" im Jahr 1991, zum dem der anglikanische Bischof Samir Kafity
eingeladen hatte. 1994 beschloss die Synode des EMS, die Exekutive des Werks zu
internationalisieren. Seither nehmen alle Partner und Mitglieder die
Leitungsaufgabe im internationalen Mission Council gleichermaßen wahr. Der
Mission Council trat im Oktober 1995 erstmals zusammen. Er tagte vier Jahre
lang zweimal jährlich. Nach der geglückten Einarbeitungsphase wurden die
Sitzungstätigkeit auf eine Sitzung jährlich reduziert. Mit dieser Entwicklung
wurde ein lang angestrebtes Ziel erreicht: Aus einem Zweibahnverkehr zwischen
Europa und einzelnen Partnerkirchen wurde ein Runder Tisch.
Das Verbindungsreferat Nahost ist aus
der Mitgliedschaft des Evangelischen Vereins für die Schneller Schulen (EVS)im
EMS entstanden. Schneller Schulen gibt es im Libanon:
· Die Johann-Ludwig-Schneller Schule in Khirbet Kanafar (Bekaa-Ebene)
befindet sich in der Trägerschaft der Nationalen Evangelischen Kirche von
Beirut.
und in Jordanien:
· Die Theodor-Schneller Schule in Marka (bei Amman) befindet sich in der
Trägerschaft der Bischöflichen Kirche in Jerusalem und dem Mittleren Osten, die
ihren Bischofssitz in Jerusalem hat.
Beide Trägerkirchen sind heute
Partnerkirchen des EMS.
Zur Förderung der Kenntnis von und
der Kontakte zu Christen im Nahen Osten gibt es seit diesem Jahr das Angebot eines
Studiums im Mittleren Osten (SiMO).
EMS-Geschäftsstelle: Nahost-Tagung
in Bad Boll
16. - 18. März 2001, Bad Boll
Nahosttagung: „Der Staat PALÄSTINA: Soll jetzt alles scheitern?“
Kooperationstagung zu den Zukunftsperspektiven eines palästinensischen Staates
aus palästinensischer Sicht, aus israelischer Sicht und aus unserer Sicht. Es
wirken außer der Evangelischen Akademie Bad Boll und dem EMS auch die
Evangelische Akademie Hofgeismar und die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft
mit.
Anmeldung und Programme:
Ev. Akademie Bad Boll
Frau Hummel, Akademieweg 11,
73087 Bad Boll
Tel.: 07164/79210;
E-mail: magdalena.hummel@ev-akademie-boll.de
Für die Theodor-Schneller-Schule in
Amman/Jordanien suchen wir baldmöglichst eine Mitarbeiterin für
Deutschunterricht und Öffentlichkeitsarbeit.
Weitere Informationen unter: Stellen
Übersee.
Nahost
Israel/Palästina: Christen in Jerusalem brauchen Hilfe
Hannover (epd). Der Auslandsbischof
der Ev. Kirche in Deutschland (EKD), Rolf Koppe, hat zu humanitärer Hilfe für
die Christen in Jerusalem und im Westjordanland aufgerufen. Damit könne ein
Zeichen gesetzt werden, um die wenigen Christen im "Heiligen Land"
zum Bleiben zu ermutigen, erklärte er im Januar 2001 in Hannover nach einer
Israel-Reise. Die Situation der Christen sei seit dem Ausbruch von
Gewalttätigkeiten zwischen Israelis und Palästinensern Ende Oktober vergangenen
Jahres zutiefst beunruhigend.
Der Zusammenbruch des Tourismus habe
verheerende Folgen für alle, so der EKD-Auslandsbischof. Besonders betroffen
seien jedoch Kirchen wie die äthiopische orthodoxe Kirche, die nicht mit Hilfe
von außen rechnen könnten. Die christlichen Minderheiten seien von der
"großen Politik" vergessen worden, kritisierte Koppe. Bei den
Teilungsplänen der Altstadt Jerusalems würden die Kirchenführer in die
Überlegungen nicht einbezogen und im Verfassungsentwurf für einen
palästinensischen Staat seien die Rechte der christlichen Kirchen bislang
völlig unzureichend verankert.
Die Bischöfliche Kirche in Jerusalem
und dem Mittleren Osten ist zwar eine kleine Kirche, unterhält aber viele
schulische Einrichtungen und zwei große Krankenhäuser, eines mitten in
Gaza-Stadt und eines in Nablus. Die Krankenhäuser sind durch den andauernden
Konflikt zwischen der israelischen Armee und palästinensischen Demonstranten
mit inzwischen über 300 Toten und an die 10000 Verletzten in eine extrem
schwierige Lage gekommen.
Sondereinsatz im Ahli Arab
Krankenhaus
Die Bischöfliche Kirche in Jerusalem
und dem Mittleren Osten ist zwar eine kleine Kirche, unterhält aber viele
schulische Einrichtungen und zwei große Krankenhäuser, eines mitten in
Gaza-Stadt und eines in Nablus. Die Krankenhäuser sind durch den andauernden
Konflikt zwischen der israelischen Armee und palästinensischen Demonstranten
mit inzwischen über 300 Toten und an die 10000 Verletzten in eine extrem
schwierige Lage gekommen. Die Direktorin des Ahli Arab Krankenhauses, Suhaila
Tarazi, und Bischof Riah Abu El-Assal haben uns berichtet. Das Ahli Arab
Krankenhaus in Gaza-City ist eines von acht Krankenhäusern in Gaza. Es hat 105 Betten.
Insgesamt gibt es in Gaza 920 Betten für 1,2 Millionen Menschen. Das ist schon
in normalen Zeiten zu wenig. In Stuttgart z.B. gibt es für 600 000 Menschen
5000 Betten. Durch die vielen Verletzten sind die Krankenhäuser an ihre Grenzen
gekommen. Frau Suhaila Tarazi, die Direktorin des Krankenhauses, schreibt:
„Seit Beginn der Auseinandersetzungen setzt die israelische Armee übermäßige
Gewalt gegen die meist unbewaffneten Straßendemonstranten ein. Anstatt die
direkte Konfrontation mit ihnen zu vermeiden, setzen sie Scharfschützen mit
Zielobjektiven, Panzer, Helikopter und Kriegsschiffe ein. Durch ihre immer
steigende Militärpräsenz ist ein unendlicher Gewaltzirkel entstanden. Die
Steine der Jugendlichen werden mit scharfer Munition beantwortet, täglich haben
wir unzählige neue Verwundete, von denen 30 Prozent Kinder unter 15 Jahren
sind. Die Helikopter und Panzer attackieren fast täglich palästinensische
Privathäuser und Verwaltungsgebäude. Dazu hin hat Israel eine totale Blockade
über den Gazastreifen verhängt, und die Hauptstadt von anderen Dörfern und
Städten in Gaza abgeschnitten. Das Reisen zwischen den Regionen ist unmöglich
geworden. Dies wirkt sich negativ auf die Gesundheitsversorgung, den
Lebensmitteltransport und andere Dienste aus. Die Arbeitslosigkeit ist
dementsprechend stark angestiegen. Unser medizinisches Team und unser einziger
Ambulanzwagen sind pausenlos im Einsatz. Das Krankenhaus ist übervoll. Wir
wurden vom palästinensischen Gesundheitsministerium gebeten, rund um die Uhr
für Notfälle bereit zu stehen und koordinieren unsere Arbeit in enger
Zusammenarbeit. Gerade wurde ein 22-jähriger Mann mit einem Kopfschuss
eingeliefert. Er hatte großes Glück, denn obwohl die Kugel den Kopf
durchdrungen hat, wurde sein Gehirn nicht beschädigt. Er klagt über große
Schmerzen.“ Die Krankenhäuser in Palästina, amnesty international und das Rote
Kreuz berichten übereinstimmend, dass die meisten Schüsse gezielt in den Kopf-
und Brustbereich abgeben werden, weshalb es besonders viele Kopf- und Augenverletzungen
gibt. Seit Beginn der Auseinandersetzungen waren die meisten Patienten nicht in
der Lage, dem Krankenhauses etwas zu bezahlen. Die Ärzte und Schwestern
versuchen auch, mit dringend erforderlichen Bewegungstherapien zu beginnen.
Viele der Verletzten benötigen Langzeittherapien, um wieder eine gewisse
Beweglichkeit zu erlangen. Neben der finanziellen Notlage des Krankenhauses
kommt es auch immer wieder zu Nachschubproblemen bei Medikamenten. Die häufige
Schließung des Flughafens in Gaza und die totale Schließung der Grenze hat
diese Probleme verstärkt. Suhaila Tarazi: „Vierundzwanzig Kisten mit
Medikamenten liegen in Ramallah fest. Die Israelis haben die Überbringung der
Medikamente nach Gaza verweigert. Selbst Bemühungen der UNRWA
(Flüchtlingshilfswerk der UN), die den Einfluss ihrer Organisation geltend
machen wollte, halfen nichts. Wir stehen vor einer sehr schwierigen Situation.
Unsere finanzielle Lage ist verzweifelt. Unsere Handlungsfähigkeit ist auf
Dauer eingeschränkt. Helfen Sie uns in dieser Lage! Wir danken Ihnen für Ihre
Hilfe und Ihr Mitgefühl.“
Gaza: Der Gazastreifen und Jericho wurden 1994 die ersten
autonomen palästinensischen Gebiete. Der Gazastreifen ist ein schmales Stück
Land am Mittelmeer, ca. 8 km breit und 45 km lang (360 qkm) und liegt ca. 70 km
südlich von Tel Aviv. Mit einer Bevölkerung von ca. 1,2 Millionen
Palästinensern auf 216 qkm ist es das am dichtesten besiedelte Gebiet der Welt.
Auf den verbleibenden 144 qkm sind 19 israelische Siedlungen, in denen ca. 4000
Israelis leben. Diese Siedlungen und deren Bewachung durch israelisches Militär
sind ein großes und permanentes Konfliktpotential im Gazastreifen . Die Siedler
verbrauchen einen Großteil der Wasservorräte für ihre Felder. Die Menschen in
Gaza müssen Trinkwasser von Wasserwagen kaufen. Israel kontrolliert die Grenze
und entscheidet, wer Gaza verlassen darf.
Martina Waiblinger
Einen dringenden Appell richtete in
den vergangenen Tagen Bischof Riah Abu El-Assal, Bischof der anglikanischen
Kirche in Jerusalem, an das Evangelische Missionswerk in Südwestdeutschland
(EMS) in Stuttgart. Die Bischöfliche Kirche in Jerusalem und dem Mittleren
Osten ist eine Partnerkirche des EMS.
Der Bischof berichtet: "Bis jetzt sind über 90 Palästinenser getötet
worden, davon 13 arabische Israelis; über 50 Prozent sind Jugendliche unter 18
Jahren. Mehr als dreitausend Menschen sind verletzt worden. Die
Gesundheitseinrichtungen sind über ihre Kapazitäten hinaus belegt, und das
palästinensische Gesundheitsministerium berichtet über einen bedenklich
niedrigen Vorrat an Medikamenten und Hilfsgütern. Die Krankenhäuser der
benachbarten arabischen Länder sind ebenfalls voll belegt mit den kritischen
Fällen, die dorthin überführt worden sind. Die Schließung des Flughafens in
Gaza durch Israel hat nicht nur die Anlieferung international gespendeter
medizinischer Hilfsgütern und -materialien verhindert, sondern macht es auch
erforderlich, Kranke und Verletzte in kritischem Zustand über die Grenze nach
El Arish zu bringen, um sie auf dem Luftweg zu evakuieren. Ihre Hilfe bei der
Linderung der Schmerzen unserer Verletzten wissen wir sehr zu schätzen."
Das EMS veröffentlicht den Appell von Bischof Riah Abu El-Assal mit der Bitte
um Hilfe. Spenden, die beim EMS mit dem Vermerk "Hilfe für Palästina"
eingehen, werden zur ausschließlichen Verwendung in den Krankenhäusern der
bischöfliche Kirche in Jerusalem, dem Arab Al Ahli Hospital in Gaza und dem St.
Luke's Hospital in Nablus, weitergeleitet (Spendenkonto des EMS: Evangelische
Kreditgenossenschaft eG, Stuttgart, BLZ 600 606 06, Kontonummer 124). Die
bischöfliche Kirche setzt sich ein für Versöhnung auf Grundlage eines gerechten
Friedens in Israel/Palästina.
Den Wortlaut des Appells
(Am 10.10.2000 im EMS eingegangen)
Salaam
Es gibt keinen Zweifel, dass der gegenwärtige gewaltsame Konflikt, der die
palästinensischen Autonomiegebiete, Jerusalem und die
arabisch-palästinensischen Bürger Israels zum Ziel hat, in den letzten 24
Stunden erkennbar eskaliert ist.
Am Sonntagabend, dem 8. Oktober,
brachen bewaffnete israelische Siedler rücksichtslos in arabische Häuser und
Läden in Nazareth und in den Jerusalemer Vororten Shufat, A-Ram und Beit Hanina
ein. Eigentum wurde absichtlich zerstört, Menschen wurden angegriffen und
verletzt, und zwei arabisch-palästinensische Einwohner Nazareths wurden
getötet.
Der verstärkte Fokus des Angriffs auf
die arabisch-palästinensischen Bewohner Israels ist ein kalkulierter Wechsel
der Policy. Das hat es in den letzten 52 Jahren nicht mehr gegeben. Die
arabisch-palästinensischen Israelis haben ihre Treue zum israelischen Gesetz
reichlich unter Beweis gestellt; ihre einzige "Provokation" in Reaktion
auf gewalttätige Angriffe waren friedliche Demonstrationen.
Bis jetzt sind über 90 Palästinenser
getötet worden, davon 13 arabische Israelis; über 50 Prozent sind Jugendliche
unter 18 Jahren. Mehr als dreitausend Menschen sind verletzt worden. Die
Gesundheitseinrichtungen sind über ihre Kapazitäten hinaus belegt, und das
palästinensische Gesundheitsministerium berichtet über einen bedenklich
niedrigen Vorrat an Medikamenten und Hilfsgütern. Die Krankenhäuser der
benachbarten arabischen Länder sind ebenfalls voll belegt mit den kritischen
Fällen, die dorthin überführt worden sind. Die Schließung des Flughafens in
Gaza durch Israel hat nicht nur die Anlieferung international gespendeter
medizinischer Hilfsgütern und -materialien verhindert, sondern macht es auch erforderlich,
Kranke und Verletzte in kritischem Zustand über die Grenze nach El Arish zu
bringen, um sie auf dem Luftweg zu evakuieren. Ihre Hilfe bei der Linderung der
Schmerzen unserer Verletzten wissen wir sehr zu schätzen.Wir bitten Sie, Ihre
Spenden an unsere Diözese zu schicken, die dann an das Arab Al Ahli Hospital in
Gaza und das St. Luke's Hospital in Nablus weitergegeben werden.
Mit Genugtuung nehmen wir die
Resolution des UN-Sicherheitsrates zur Kenntnis, die die extreme Gewalt
verurteilt, die die israelischen Streitkräfte gegen die Palästinenser einsetzt.
Wir rufen die internationale
Gemeinschaft an, uns, den Palästinensern in den Autonomiegebieten, der heiligen
Stadt Jerusalem und im Staat Israel, Schutz zu gewähren. Wir haben Angst um
unsere Unversehrtheit und Sicherheit, und um die Sicherheit unserer Familien,
Nachbarn und Liebsten.
Wir rufen die Internationale
Gemeinschaft an, den Staat Israel dazu zu bewegen, seine Streitkräfte, Truppen,
bewaffneten Siedler und Zivilisten, und die Wachpatrouillen aus allen
Wohngebieten der Autonomiegebiete wie auch der mehrheitlich arabisch
bevölkerten Viertel Ostjerusalems und Israels zurückzuziehen.
Wir rufen die internationale
Gemeinschaft an, eine angemessene Untersuchung der Gründe für diese neuerliche
blutige Aggression zu fordern, die von einer neutralen Partei wie etwa der UN
durchgeführt werden sollte.
Wir rufen die internationale
Gemeinschaft an, die israelische Regierung zu zwingen, alle früheren
UN-Resolutionen zu achten, zu erfüllen und einzuhalten und sich aus Gebieten
zurückzuziehen, die seit 1967 noch unter israelischer Besatzung sind,
eingeschlossen Ost-Jerusalem.
Wir bitten die internationale
Gemeinschaft, dass sie unsere Bemühungen unterstützt, das Kapital zu erhöhen,
das nötig ist, um die Kosten zu decken für ein legales Vorgehen gegen die
Verantwortlichen, und Entschädigungen bereitzustellen für den Verlust an
Eigentum und Leben und die zerstörerischen Folgen der Verletzungen an Körper,
Geist und Seele. Das soll durch einen Ökumenischen Fond für rechtliche Hilfe
zur Unterstützung palästinensischer Opfer von Gewalt geschehen.
Wir sind tief bewegt von Ihrer
Unterstützung im Gebet und Ihren Bemühungen, die palästinensische Sache bei
Ihren jeweiligen Regierungen ins Bewusstsein zu bringen.
In Christus
+Rt. Rev. Riah Abu El-Assal
Anglikanischer Bischof in Jerusalem
An unsere Brüder, Söhne und Töchter,
Priester, Ordensangehörige, Männer und Frauen und all unsere Gläubigen.
Brüder und Schwestern,
Friede über Euch von Gott unserem
Vater und Jesus Christus, unserem Retter, und möge die Liebe des Heiligen
Geistes Eure Herzen und Euren Geist erfüllen. Amen.
Im Evangelium des Hl. Lukas lesen wir
von einigen blutigen Vorkommnissen, die in der Zeit unseres Herrn Jesus
Christus geschahen, wie folgt: "Zu dieser Zeit kamen einige Leute zu Jesus
und berichteten ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit dem der
Opfertiere vermischt hatte. Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass diese
Galiläer schlimmere Sünder waren als irgendwelche anderen, dass ihnen dies
zugestoßen ist? Sie waren es nicht, sage ich Euch, nein; aber ihr alle werdet
genau so umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt." (Lk 13, 1-3)
Die Lektion ist klar: Buße (Umkehr)
wird vor dem Blutvergießen retten. Buße (Umkehr) bedeutet Gott zu sehen und
alle Kinder Gottes, sie bedeutet Gott nachzuahmen in seiner Liebe und
Gerechtigkeit in allen Beziehungen zwischen Personen und Völkern.
Im Lichte dieser Umkehr (Buße) sehen
wir, dass die gegenwärtigen Ereignisse, die wir in diesen Tagen erfahren, uns
einladen, unsere Gebete an Gott zu richten und ihn zu bitten, den Verstand
derer zu erleuchten, die verantwortlich sind für unsere Regierung in diesem
Land, und auch uns Licht und Stärke zu geben, damit wir erkennen, wie wir unser
Geschick wählen und es so formen, wie wir es wollen in dieser verworrenen und
gequälten Welt, wo Gutes mit Bösem vermischt ist, und in der Gerechtigkeit in
unserer menschlichen Gesellschaft oft fehlt.
Die leidvollen und blutigen
Ereignisse, die wir heute durchleben, die der Provokation der religiösen
Gefühle in Haram As-Sharif (der Edlen Moschee) folgten, sagen uns eines: Das
palästinensische Volk fordert Leben und Freiheit. Und es wird Leben und
Freiheit haben, früher oder später. Wir hoffen, dass es früher sein wird als
später. Denn Gewalt kann nicht der Führer des Lebens in diesem Heiligen Land
sein. Gerechtigkeit ist der einzige Führer und das einzige Zeichen. Es ist
höchste Zeit für jeden Führer in diesem Land, dies zu verstehen. Es ist nicht
vergeblich, dass die Situation plötzlich zu dieser Explosion kam. Diese Jungen
und Alten, die ihr Leben gerade anbieten, tun dies nicht um irgendjemand
anzugreifen: Sie verteidigen nur ihre heiligen Stätten, ihre Freiheit und ihr
Leben. Blut schreit heute zu Gott und fordert Gerechtigkeit und menschliche
Würde.
Die einzige Weise um zu ruhigen
Zeiten zurückzukommen ist es, zu den Friedensgesprächen zurückzukehren, und zu
sehen, wie man zu der Situation zurückfinden kann, wie sie bis 1967 herrschte.
Der Weg, die Situation zu beruhigen ist der, zu verstehen, dass die heiligen
Stätten nicht angetastet werden können und nicht Gegenstand irgendwelcher
Verhandlungen sein können. Die Stationierung von Soldaten, Militärfahrzeugen
und sogar Raketen wird keine Ruhe und Ordnung bringen, nur Gerechtigkeit wird
dies erreichen. Und der Weg der Gerechtigkeit war bereits offen in den
Friedensgesprächen, und er war dabei sein Ziel zu erreichen: Das sollte
wiedererlangt werden. Genug Blutvergießen. Dem Volk sollte sein Recht zu leben
und der Selbstbestimmung gegeben werden. Der palästinensische Staat muss
geboren werden und Stabilität haben, die es erlaubt, seine eigenen
Angelegenheiten neu zu gestalten, extern und intern. Die Heilige Stadt sollte
die Stadt der Versöhnung sein, nachdem man Gerechtigkeit in ihr errichtet hat:
Das palästinensische Jerusalem sollte die Hauptstadt von Palästina sein, wie
West Jerusalem die Hauptstadt von Israel. Und über allem sollte sie die
"Heilige Stadt" bleiben, ihre Heiligkeit beschützt und respektiert
von ihren Statthaltern und von den Forderungen, die ihre Heiligkeit der ganzen
Internationalen Gemeinschaft auferlegt. Wir rufen unsere politischen Führer,
Palästinenser und Israelis auf, ihre Suche nach einem gerechten Frieden
fortzusetzen, und wir rufen die Internationale Gemeinschaft an, beide Parteien
dabei zu unterstützen, das zu erreichen, was gerecht und richtig ist, in
Übereinstimmung mit der internationalen Rechtmäßigkeit. Wir hoffen, dass die
Führer dieses Landes wie auch die Internationale Gemeinschaft dies verstehen
werden: Dann wird jeder sich des Friedens erfreuen, die ganze Region wird
Frieden, Sicherheit und Ruhe haben, sobald keine Ungerechtigkeit mehr das
palästinensische Volk belasten wird, das bis jetzt so viel gelitten hat.
Brüder und Schwestern, darum beten
wir, und wir rufen Euch auf, zu beten und dazu beizutragen, ruhige, friedliche
Zeiten zu erreichen, um der Ehre Gottes und der Menschen in diesem Land willen,
die Gott gesegnet hat. Wir bitten Gott, den Allmächtigen, Euch Licht und Stärke
zu geben, und allen Führern in diesem Land Licht und Stärke zu geben, das zu
tun, was recht und gerecht ist. Für alle beten wir, für Palästinenser und
Israelis, für Christen, Muslime und Juden: Möge Gott Gerechtigkeit und
Versöhnung in den Herzen und im Geist aller erwecken. Amen.
Jerusalem, 2. Oktober 2000
+ Michel Sabbah
Lateinischer Patriarch von Jerusalem.
»Mit entschlossenem christlichen
Glauben, der auf den Lehren unseres Herrn Jesus Christus begründet ist, und der
nach Liebe, Vergebung und Nachfolge ruft, drücken wir unser tiefes Leid aus
über die quälenden Ereignisse, die auf dem Haram al-Sharif am Mittag des 29.
September 2000 geschehen sind. Wir bieten unser aufrichtigstes Beileid dem
ganzen palästinensischen Volk insgesamt und den hinterbliebenen Familien
insbesondere an, und verurteilen den Angriff auf ein Heiligtum einer Heiligen
Stätte in Jerusalem. Wir halten eine solche Verletzung für gleichbedeutend mit
einer Verletzung jeder und aller christlichen und muslimischen heiligen Stätten
und bekräftigen unsere Solidarität mit dem palästinensischen Volk,
gleichermaßen Muslimen und Christen, indem wir ihre grundlegenden Rechte auf
religiöse Verehrung und Gebet in Jerusalem verteidigen. Indem wir dies tun,
weisen wir jede Provokation gegen die Gefühle der Gläubigen zurück, ohne
Rücksicht auf ihre Art, Form oder Erscheinung.
Dabei bekräftigen wir wieder unsere christliche Position, wie wir es immer
wieder in unseren früheren Stellungnahmen getan haben, über die dringende
Notwendigkeit, die Bewegungsfreiheit, die Freiheit des Zutritts, der religiösen
Verehrung und des Gebetes zu garantieren, genauso wie auch die dringende
Notwendigkeit, den Verletzungen der heiligen Stätten in Jerusalem ein Ende zu
bereiten. Wir fordern dazu auf, alle einschlägigen und verbindlichen
Resolutionen zu erfüllen (zu "implementieren"), die die Prinzipien
internationaler Rechtmäßigkeit widerspiegeln, und insbesondere diejenigen, die
sich auf Jerusalem beziehen, um einen umfassenden, gerechten und dauernden
Frieden für die Völker aller drei monotheistischen Religionen im Heiligen Land
zu sichern.
"Wir wunderbar ist es, wie schön für Gottes Völker in Harmonie
zusammenzuleben!" (Ps. 133,1) «
Bureau
de Coordination
Des Pères Blancs
Pour
Justice et Paix